Hauptplatz

Lenzing

Wettbewerb

„Ein Herz für Lenzing“ beendet die Ära des Platzes als reine Verkehrsfläche und Baustelle. Wir entwerfen eine pulsierende Mitte für die Stadt. Der Entwurf besticht durch eine sensible Zonierung und klare Materialien. Er formt einen hochwertigen, barrierefreien Freiraum, der sich respektvoll in den Bestand einfügt. Der Platz dient dem Alltag und gemeinschaftlichen Ereignissen gleichermaßen. Wir integrieren die Umgebung aktiv: Eine starke kulturelle Achse verbindet das Kulturzentrum über den neuen Außenbereich direkt mit dem Platz. Die durchdachte Erschließung garantiert universellen Zugang für alle Lenzinger:innen.

Materialität und Raumweite

Um den Platz optisch bis an die angrenzenden Gebäudekanten zu weiten, wird ein hochwertiger rötlicher Betonsteinbelag eingesetzt. Dieser zieht sich konsequent bis zu den Fassaden der Geschäftsgebäude und in die schmalen Durchgänge hinein, wodurch die Identität des Ortes gestärkt und die räumliche Enge aufgehoben wird. Durch variierende Verlegerichtungen werden die unterschiedlichen Funktionsbereiche – vom Verkehrsfluss bis hin zu den Flächen für den Weihnachtsmarkt – dezent gegliedert, ohne den fließenden Charakter des Gesamtraumes zu stören.

Intelligentes Parkraumkonzept und Entsiegelung

Ein wesentlicher Aspekt des Entwurfs ist die konsequente Beruhigung der Platzmitte. Um den Platz weitgehend autofrei zu halten, konzentriert sich der ruhende Verkehr ausschließlich auf einen definierten Bereich entlang des befahrbaren Streifens. Die PKW-Abstellplätze sind mit Rasengittersteinen ausgeführt. Diese Materialwahl sorgt für eine Teilentsiegelung der Fläche und ermöglicht eine natürliche Versickerung von Regenwasser. Durch die Begrünung der Parkflächen verschmelzen diese optisch mit den angrenzenden Grünzonen und dominieren nicht das Stadtbild, während die Platzmitte als reiner Fußgänger- und Aufenthaltsbereich geschützt bleibt.

Shared Space Charakter

Durch die Materialänderung und den Wegfall klassischer Fahrbahnmarkierungen wird der Charakter einer „Straße“ aufgelöst. Die haptische und visuelle Präsenz des Plattenbelags signalisiert den Autofahrer:innen intuitiv eine veränderte Priorität und führt zu einer natürlichen Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit.

Sicherheit

Diese klare Ordnung schützt die zentrale Aufenthaltsfläche vor Suchverkehr und schafft einen geschützten Raum für Fußgänger:innen.

Klima und Aufenthaltsqualität

Das Herzstück des Platzes bildet ein Bereich mit wassergebundener Wegedecke, der als grüne Insel fungiert und in dem die Aufenthaltsqualität konzentriert ist. Vier markante Solitärbäume bilden ein natürliches Dach. Sie dienen als essenzielle Schattenspender und tragen durch Verdunstungskälte maßgeblich zur Verbesserung des Mikroklimas bei. In Kombination mit integrierten Grünflächen und Sitzgelegenheiten entsteht ein kontemplativer Rückzugsort inmitten des urbanen Treibens.

In die Grünflächen wird eine hochwertige Gräser-Matrix integriert. Diese Pflanzform garantiert durch ihre Struktur und unterschiedlichen Blütezeiten eine ganzjährige Attraktivität. Auch im Winter bieten die stehenbleibenden Halme und filigranen Strukturen ein ansprechendes Bild und tragen zur Biodiversität bei. Ein integriertes Wasserspiel entlang der Sitzflächen bei der Tiefgaragenabfahrt fungiert als atmosphärisches Highlight. Es verbessert nicht nur das Mikroklima, sondern maskiert durch sanftes Plätschern die akustische Präsenz der Tiefgaragenzufahrt und steigert so die Aufenthaltsqualität signifikant.

Ausstattung und Mobiliar

Unterschiedliche Sitzelemente bieten vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten im gesamten Entwurfsgebiet: mit Tisch, ohne Tisch, gemeinschaftlich oder rückgezogen, zum Sitzen oder Liegen.

Der Beleuchtung dient das lokal etablierte Leuchtenmodell im befestigten Bereich in einem 8-m-Raster bei 4 m Höhe, um eine blendfreie Ausleuchtung im menschlichen Maßstab zu garantieren. Warmweißes, nach unten gerichtetes Licht mit intelligenter Sensorik sichert dabei den nachhaltigen Betrieb. Zur Wegführung und Strukturierung des unbefestigten Bereichs werden 1 m hohe Pollerleuchten installiert. Diese bodennahe Akzentbeleuchtung fügt sich unauffällig in die fließenden Bodenbereiche ein und lenkt Fußgänger, ohne die offenen Sichtachsen zu beeinträchtigen.

Abfallbehälter bestehen aus schwarzem Stahl. Zur effizienten Abdeckung des erwarteten Aufkommens werden drei Einheiten auf dem Platz verteilt, während ein vierter Behälter am Anfang der Johann-Böhm-Straße platziert wird.

Integration und Abgrenzung

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der sensiblen Integration technischer Infrastruktur. Die Abfahrt zur Tiefgarage wird durch einen schmalen Grünstreifen begleitet, wo ein filigranes Spalier eine dichte Begrünung ermöglicht, die die Zufahrt visuell abschirmt und den technischen Charakter der Anlage abmildert. Eine strategisch zum Rathaus positionierte Litfaßsäule dient als vertikaler Akzent und zentrales Informationsmedium für städtische Ankündigungen. Im Bereich der Litfaßsäule wird eine gezielte Grünfläche mit Busch- und Baumbewuchs etabliert, die als biologische Schutzwand für den Außenbereich des angrenzenden Cafés dient. Sie schirmt die Gäste sowohl visuell als auch akustisch vom Pkw-Verkehr ab und schafft eine intime Gartenatmosphäre mitten auf dem Platz. Analog dazu lässt ein Spalier die Tiefgaragenabfahrt sukzessive „einwachsen“ und bildet eine weiche Raumkante.

Der Entwurf schafft so eine Balance zwischen funktionaler Belastbarkeit und einer hohen atmosphärischen Dichte, die den Platz langfristig als lebendigen Mittelpunkt im Stadtgefüge etabliert. Der nördlich gelegene Platz vor dem Veranstaltungszentrum wird über eine homogene Materialität gestalterisch mit dem zentralen Platzraum verwoben. Durch die konsequente Fortführung des rötlichen Pflasterbelags entsteht eine visuelle Klammer, die die unterschiedlichen Funktionsbereiche zu einem kohärenten städtebaulichen Ensemble vereint.

Die Platzfolge ist als fließendes Raumkontinuum konzipiert. Der rote Teppich aus Pflastersteinen fungiert als verbindendes Element, das die Besucher intuitiv vom kontemplativen Kern des zentralen Platzes zur belebten Entree-Situation des Veranstaltungszentrums leitet. Die quer angelegten Sitzstufen dienen als topografisches Scharnier. Sie fungieren nicht nur als informelles Sitzmöbel und Tribüne für Outdoor-Events, sondern markieren gleichzeitig den Übergang zwischen der Dynamik des Veranstaltungsbereichs und der Aufenthaltsqualität der Grünen Lunge.

Während die rötliche Pflasterung die Wegebeziehungen und die funktionale Belastbarkeit definiert, markiert sie gleichzeitig die Vorzone des Veranstaltungszentrums als signifikanten öffentlichen Ort. Der Verzicht auf harte Zäsurkanten begünstigt eine barrierefreie Erschließung und stärkt die Wahrnehmung des gesamten Areals als Campus der Begegnung. Durch die axiale Ausrichtung und die farbliche Korrespondenz der Bodenbeläge entsteht schließlich eine spannungsvolle Wechselwirkung zwischen der vertikalen Dominante des Zentrums und der horizontalen Ausdehnung der Platzfläche.

„A Heart for Lenzing“ marks the end of the square’s era as a mere traffic area and construction site. We are designing a vibrant center for the town. The design stands out through sensitive zoning and clear materials. It forms a high-quality, barrier-free open space that respectfully integrates into the existing surroundings. The square serves both everyday life and community events. We actively incorporate the environment: a strong cultural axis directly connects the culture center across the new outdoor area with the square. Thoughtful access planning guarantees universal accessibility for all residents of Lenzing.

Materiality and Spatial Width

To visually expand the square to the edges of the adjacent buildings, high-quality reddish concrete paving is used. This extends consistently up to the facades of the commercial buildings and into the narrow passages, strengthening the identity of the place and resolving spatial tightness. Through varying laying directions, the different functional zones—from traffic flow to areas for the Christmas market—are subtly structured without disturbing the flowing character of the overall space.

Intelligent Parking Concept and De-paving

A key aspect of the design is the consistent traffic calming of the central square. To keep the space largely car-free, stationary traffic is concentrated exclusively in a defined area along the drivable strip. The parking stalls are surfaced with permeable grass pavers. This choice of material partially unpaves the surface, allowing rainwater to infiltrate naturally. Thanks to the greening of the parking areas, they visually blend into the adjacent green zones rather than dominating the cityscape, while the center of the square remains protected as a dedicated pedestrian and recreation area.

Shared Space Character

By changing the materials and eliminating conventional road markings, the typical character of a „street“ is dissolved. The tactile and visual presence of the paved surface intuitively signals a shift in priority to drivers, naturally reducing vehicle speeds.

Safety

This clear organization protects the central gathering space from traffic searching for parking and creates a safe area for pedestrians.

Climate and Quality of Stay

The heart of the square is an area featuring a water-bound gravel surface that functions as a green island where the quality of stay is concentrated. Four striking solitary trees form a natural canopy, serving as essential shade providers and contributing significantly to improving the microclimate through evaporative cooling. Combined with integrated green spaces and seating, a contemplative retreat is created amidst the urban bustle.

A high-quality grass matrix is integrated into the green areas. Through its structure and varied blooming times, this planting strategy guarantees year-round visual appeal, as even in winter the standing stalks and delicate structures offer an attractive view and support biodiversity. Furthermore, an integrated water feature alongside the seating area by the underground garage exit serves as an atmospheric highlight. It improves the microclimate and masks the acoustic presence of the garage entrance with the gentle sound of splashing water, significantly enhancing the overall quality of stay.

Amenities and Furniture

Various seating elements offer diverse options for lingering across the design area: with tables, without tables, communal or secluded, for sitting or lounging.

Lighting in the paved area is integrated via a locally established luminaire model on an 8-meter grid at a height of 4 meters to ensure glare-free, human-scale illumination. Warm white, downward-directed light equipped with smart sensor technology guarantees sustainable operation. To guide movement and structure the unpaved area, 1-meter-high bollard lights are installed. This low-level accent lighting blends unobtrusively into the fluid ground surfaces, guiding pedestrians without impairing open sightlines.

Trash receptacles are made of black steel. To efficiently handle expected waste volumes, three units are distributed across the square, with a fourth unit positioned at the beginning of Johann-Böhm-Straße.

Integration and Separation

Special attention is given to the sensitive integration of technical infrastructure. The driveway to the underground garage is accompanied by a narrow green strip where a delicate trellis allows for dense planting, visually screening the entrance and softening the technical feel of the structure. A kiosk or advertising column strategically positioned toward the town hall acts as a vertical accent and a central information hub for municipal announcements. Near the information column, a targeted green space with bushes and trees is established to serve as a natural protective screen for the café’s outdoor seating area, shielding guests both visually and acoustically from car traffic and creating an intimate garden atmosphere in the middle of the square. Similarly, a trellis allows the garage entrance to gradually become overgrown, forming a soft spatial edge.

The design creates a balance between functional resilience and high atmospheric density, establishing the square as a vibrant long-term heart of the urban layout. The northern square in front of the event center is design-linked to the central square space through homogeneous materiality. By consistently continuing the reddish paving, a visual bracket is formed that unites the various functional areas into a coherent urban ensemble.

layout transitions naturally as the sequence of squares is conceived as a flowing spatial continuum. The red carpet of paving stones acts as a connecting element that intuitively guides visitors from the contemplative core of the central square to the lively entrance of the event center. Transversely arranged seating steps function as a topographical hinge, serving not only as informal seating and bleachers for outdoor events, but also marking the transition between the dynamism of the event area and the relaxing atmosphere of the Green Lung.

While the reddish paving defines path connections and functional load capacity, it simultaneously highlights the forecourt of the event center as a significant public place. Dispensing with harsh demarcation edges promotes barrier-free access and reinforces the perception of the entire site as a Campus of Encounter. Finally, through axial alignment and the color coordination of the ground surfaces, an engaging interplay emerges between the vertical dominance of the center and the horizontal expanse of the square.

Wettbewerb: 3. Platz
Auslober:in: Stadt Linz, Evangelische Kirche 
Typologie: Landschaftsplanung
Ort: Linz, Österreich
Kollaboration mit: Clemens Bauder
Landschaftsarchitektur: Karin Standler
Projektleiter:innen: Emil Dworschak, Judith Kinzl

Competition: 3rd place
Promoter: Stadt Linz, Evangelische Kirche
Typology: Landscape
Location: Linz, Austria
In collaboration with: Clemens Bauder
Landscape planning: Karin Standler
Project management: Emil Dworschak, Judith Kinzl